Rechte ziehen nach Pößneck um – Thüringer Allgemeine vom 20.04.2010

Rechte ziehen nach Pößneck um

 

Kreisweites Aktionsbündnis für Vielfalt und Toleranz gründet sich heute in der Festhalle

 
Der ursprünglich für Ilmenau geplante und dort vor wenigen Tagen abgemeldete „Thüringentag der nationalen Jugend“ wird nun im Pößnecker Schützenhof stattfinden. Gestern morgen meldete „Eine Einzelperson bei uns eine Veranstaltung diesen Namens bei uns an“, so eine Sprecherin des zuständigen Landratamtes in Schleiz.
 
Ilmenau/ Schleiz: Mit rund 300 Teilnehmern rechnen die rechtsextremen Veranstalter für den 12. Jun, so die Behördensprecherin weiter. Ob und unter welchen Auflagen die Kundgebung stattfinden könne, steht noch nicht fest. „Derzeit ist der Vorgang noch in der Bearbeitung.“
 
Möglicherweise ist es den Einladern in Ilmenau nicht gelungen, genügend Mitstreiter zu finden, die die Vorbereitung des Aktionstages hätten sicherstellen können. Im Pößnecker Schützenhaus ist die personelle und infrastrukturelle Infrastruktur bereits vorhanden.
 
Der inzwischen verstorbene Rechtsextremist Jürgen Rieger hatte das ehemalige Kulturhaus im Jahr 2003 im Namen der Wilhelm-Tietjen-Stiftung erworben. Seitdem wurde die Immobilie immer wieder für Szene-Veranstaltungen genutzt, unter anderem fand hier im April 2005 der Landesparteitag der NPD statt. Weitere Schlagzeilen machte die Immobilie, als die in England geführte Stiftung aufgrund von Fristversäumnissen im Umgang mit den dortigen Behörden das Haus zeitweilig verloren hatte. Nach dem Tod Riegers und der Klärung der Rechtsschwierigkeiten soll der Schützenhof nun wieder von einem einschlägigen Mitglied der rechtextremen Szene angemietet sein.
 
„Ich freue mich, dass die Veranstaltung nicht in Ilmenau stattfinden wird“, so der Kreisfraktionschef für die Linke Eckhard Bauerschmidt. Die Landesarbeitsgemeinschaft „Vielfalt tut gut“ hält den Ilm-Kreis trotz der Absage dennoch weiterhin für einen „bevorzugten Aktionsort der Rechtsextremisten“, so deren Sprecherin Anja Blaschke. „Wir wollen uns im Ilm-Kreis aktiv für Zivilcourage und Toleranz einsetzen“, erklärt sie weiter. Als einen weiteren Schritt in Richtung dieses Ziels soll heute um 17 Uhr in der Ilmenauer Festhalle ein kreisweit angelegtes Aktionsbündnis aus interessierten Bürgern, Vertretern von Vereinen, Kirchen und Verbänden gegründet werden. Nazis – darauf weist Blaschke hin – müssen draußen bleiben.
 
von Matthias Thüsing