Bunte Vielfalt zum Mitmachen und Nachdenken – Freies Wort vom 23.08.2010

Bunte Vielfalt zum Mitmachen und Nachdenken

 

Zum dritten Mal präsentierten sich die im Rahmen des Bundesprogramms „Vielfalt tut gut“ geförderten Projekte. Auch wenn dieses jetzt ausläuft, soll es damit weitergehen.

Arnstadt – „Bitte schaut mich nicht an, bitte nehmt mich nicht wahr“, fleht das Mädchen mit erstickter Stimme. Doch ihre Klassenkameraden haben es längst bemerkt, beginnen es zu mobben. Andere stehen nur herum, schauen zu oder weg, aber greifen nicht ein. „Warum hilft mir keiner?“, fleht die Schülerin. „Bin ich es denn nicht Wert?“

Die Worte, welche Liz an diesem Samstagnachmittag vor der Muschel in Arnstädter Stadtpark vorträgt, gehen unter die Haut, wühlen auf. „Innerer Monolog eines Mobbingopfers“sind die ergreifenden Zeilen, die von Verzweiflung und Angst berichten, überschrieben. Wie viele Jugendliche mögen sie alltäglich an unseren Schulen selbst fühlen?

Ilm-Kreis macht weiter

Mobbing, Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz gegenüber jenen, die eben anders sind – das Bundesprogramm „Vielfalt tut gut“ wollte Aufklärung leisten, helfen Vorurteile abzubauen. Drei Jahre lang war der Ilm-Kreis Teil des Programms. 100 000 Euro gab es jährlich an Zuschüssen für ganz unterschiedliche Projekte. Theateraufführungen, Filme drehen, ein Hörbuch aufnehmen, Gewaltprävention und Aufklärung – all das und noch viel mehr wurde in dieser Zeit auf die Beien gestellt. Jährlich erhielten zehn bis 15 Freie Träger Zuschüsse. Die Koordination oblag einer beim Marienstift Arnstadt geschaffenen Stelle. Einmal im Jahr wurden alle Ergebnisse auf einem großen Fest präsentiert. Doch nun ist das Bundesprogramm ausgelaufen. Wie wird es weitergehen, mit all dem Guten, das angeschoben wurde?

„Wir waren uns im Landratsamt und Jugendhilfeausschuss schnell einig, es geht weiter“, sagt Vizelandrat Rainer Zobel vor der Eröffnung. Aber natürlich, muss er ergänzen, sei dies nicht in dem gewohnten finanziellen Umfang möglich. „Das können wir nicht leisten.“ Die gute Nachricht immerhin: Mittlerweile überlegt die Bundesregierung ob man das Programm nicht doch fortführen sollte. „Es muss weitergehen“, sagt auch Anja Blaschke, die Leiterin der Koordinierungsstelle. „Gerade hier im Ilm-Kreis.“

Von Anfang an dabei ist der Regenbogen e.V. Ilmenau mit seinem Theaterprojekt „Theater bewegt“. Eigentlich soll es an diesem Nachmittag einen Ausschnitt aus dem neusten Stück „Wehre dich doch“ geben. „Es geht um Gewaltprävention“, erklärt Projektleiterin Jutta Ewald. Den Schauplatz haben die Mitwirkenden gleich vor dem Mehrgenerationenhaus, in dem sich die Theatergruppe regelmäßig trifft, gefunden: Der Wetzlarer Platz und die sich dort aufhaltenden ganz unterschiedlichen Jugendgruppen.

„Das wird heute eine Art zweite Generalprobe“, erklärt Jutta Ewald noch. Demnächst will man in Ilmenau das ganze Stück zeigen. Doch der Hauptdarsteller ist nicht erschienen. Für einen Augenblick gibt es ratlose Gesichter, dann wird improvisiert. Die Feuerschlucker zeigen ihr Können. Liz liest den Monolog vor, Ole eine Kurzgeschichte. Anschließend interviewt der Schüler seine Mitstreiter, fragt warum sie sich genau für jene Jugendgruppe entschieden, sich dort Wohl und angenommen fühlen. Da sind Liz, das Punkmädchen mit den bunten Strähnen im Haar, und Stoffi, die Anhängerin der Gothic-Szene, ganz in schwarz gekleidet. So unterschiedlich ihr Äußeres sein mag, die Lebensentwürfe sind es nicht unbedingt. Man sucht Gleichgesinnte, Freunde, mit denen man sich von der Masse abheben kann.

Buntes Angebot

Die Ilmenauer waren nur eines von vielen Projekten, dass sich an diesem Tag präsentierte. Die Trommelgruppe des offenen Jugendtreffs des Marienstifts hatte den Nachmittag eröffnet – mit afrikanischen Liedern. „Es macht Spaß zu sein, wir lernen viel über andere Kulturen“, sagen die Mädchen und Jungen hinterher. Demnächst wird man einen Film drehen. Deutsch zu lernen steht im Mittelpunkt des Projektes, welches der Talisa e.V. anbietet. Es richtet sich vor allem an erwachsene Emigranten. Der Verein für Sport und erlebnisorientierte integrative Sozialarbeit Ilmenau berichtete über seine Arbeit an den Schulen. Es konnte gebastelt, orientalisch gegessen, mit Wasser geplanscht, beim Zirkus mitgemacht oder Fußball gespielt werden. „Der Ilm-Kreis ist bunt“ stand auf dem Banner über der Bühne, der Schlosspark war es an diesem Nachmittag garantiert. Nur schade, dass wohl mancher das Freibad vorzog, die Resonanz doch etwas unter jener der Vorjahre blieb.

 
Von Berit Richter