Festival der Kulturen in Ilmenau – Thüringer Allgemeine vom 05.09.2010

Festival der Kulturen in Ilmenau

 

Die halbe Welt auf einem Platz: Zum Festival der Kulturen haben am Freitag im Herzen von Ilmenau Menschen aus Südamerika, Asien, Afrika und Europa zusammen gefeiert. Bis zum Abend war der Wetzlarer Platz die Bühne für einen Erdball.

Ilmenau. Anna Zorn blickt sich um auf dem Wetzlarer Platz und macht es kurz: “Das ist richtig schön!”, sagt die Abiturientin des Ilmenauer Lindenberg- Gymnasiums, die am Freitag das Festival der Kulturen zusammen mit Maximilian Möller moderiert. “Jetzt feiern wir endlich mal zusammen, wo wir doch alle schon zusammen hier leben”, findet die junge Frau.

Das Fest im Herzen der Stadt sollte vor allem eines sein: Beweis dafür, dass Ilmenau auch das Zuhause verschiedener Nationalitäten ist. Nicht nur Studenten der Technischen Universität sind es, die die kleine Stadt am Nordhang des Thüringer Waldes als zweite Heimat kennengelernt haben – mancher ist längst auf Dauer hier angekommen. Von ihnen kennt Jens Wolling gleich mehrere. Im Verein “como no!”, in dem er der Vizevorsitzende ist, engagieren sich Mitglieder, die einst als Gäste nach Deutschland gekommen und hier der Liebe wegen geblieben sind. In Argentinien, Kolumbien, Chile und Rumänien sind die Frauen geboren, die am Wetzlarer Platz das Kuchenbuffet des Vereins betreuen. Das Geld geht direkt an ein Projekt, das dem “como no!” schon seit einiger Zeit Herzensangelegenheit ist. Mit Hilfe von Spenden unterstützen die Ilmenauer das Projekt des belgischen Arztes Toon Bogaerts, der in Nicaragua Schülerstipendien organisiert. Von dem Geld können Unterrichtsmaterialien gekauft werden, die in dem mittelamerikanischen Land wegen anderer Sorgen nicht immer zwingend auf der Prioritätenliste stehen.

Einen Teil ihrer Erinnerungen an eine schöne Zeit in Ilmenau verkaufte am Freitag Jelena Janev. Die 38-Jährige aus Serbien ist vor über drei Jahren mit ihrem Mann nach Ilmenau gekommen, der an der Universität eine Stelle annahm. Janev ist Bildhauerin von Beruf und besuchte in ihrer Freizeit den Keramikkurs von Karl-Heinz Kerntopf. Nun trennt sie sich von ihren dort entstandenen Werken am Wetzlarer Platz – mit etwas Wehmut, denn in wenigen Tagen steht die Rückreise nach Serbien an.

Sie hingegen traten ihren Besuch in umgekehrter Richtung an: Gäste aus Tirgu Mures, Ilmenaus rumänischer Partnerstadt, läuteten am Nachmittag das Festival der Kulturen mit Tänzen ein. Gleich danach folgte ein Ausflug mit rhythmischen Trommelklängen auf den afrikanischen Kontinent. “Erst wenn wir uns kennenlernen, werden wir merken, dass wir uns doch alle sehr ähnlich sind”, ermunterte Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber (CDU) die Besucher, sich ein eigenes Bild von den Wahl-Ilmenauern zu machen, anstatt Vorurteile ungefiltert zu übernehmen. Auch Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Peter Bauer sieht in dem Festival eine gute Gelegenheit dafür, “dass alle Ilmenauer zusammen feiern, gleich, wo sie geboren wurden”.

Für einen Tag lang rief Ilmenaus Ausländerbeauftragte Maria Franczyk den “Platz der Nationen” aus. Da fehlten allerdings noch die Schüler aus dem polnischen Partnerschaftskreis Konin, “sie sind leider noch auf der Autobahn unterwegs”, entschuldigte Landrat Dr. Benno Kaufhold (CDU). Als Idee des Arbeitskreises “für eine offene Stadt” wurde das Spektakel von der Initiative “Vielfalt tut gut” unterstützt – deren Name sprichwörtlich Programm war. Viel Freude wünschte Beigeordneter Horst Zink dem Publikum – das bis zum Abend tanzte und klatschte, inmitten all derer, die sich von allen Kontinenten ausgerechnet die kleine Stadt am Thüringer Wald als Wohnsitz ausgesucht haben.

 
von Arne Martius