Kaum Interesse für den Kinder- und Jugendbeirat in Ilmenau – Thüringer Allgemeine vom 06.09.2010

Kaum Interesse für den Kinder- und Jugendbeirat in Ilmenau

 

Der geplante Kinder- und Jugendbeirat für Ilmenau kommt einfach nicht in die Gänge. Seit einem Jahr wird versucht, junge Leute als Berater für städtische Entscheidungen mit ins Boot zu holen – doch ganz offensichtlich wurden falsche Prioritäten in der Gründungsphase gesetzt.

Ilmenau. Als vergangene Woche Hanka Giller und Marlit Eberitsch von der Saalfelder Stadtverwaltung in Ilmenau darüber berichteten, wie weit die Feengrottenstadt bereits in Sachen jugendlicher Mitbestimmung ist, traute mancher Zuhörer seinen Ohren nicht: Seit über einem Jahr wird versucht, in Ilmenau einen Kinder- und Jugendbeirat zu installieren, doch will das Vorhaben hier einfach nicht gelingen. Waren anfangs noch mehrere junge Leute engagiert bei der Sache, sprang mit jeder neuen Sitzung wieder einer mehr ab. “Was machen wir nur falsch?”, wird in diesen Tagen in Ilmenau oft gefragt. Das aber können die Jugendlichen am besten selbst beantworten. Gegenüber unserer Zeitung beschreibt eine Handvoll Heranwachsender, woran es aus ihrer Sicht krankt. Zum einen – lange bevor über Inhalte gesprochen werden konnte, wurden die Jugendlichen mit Satzungsfragen konfrontiert. Das haben inzwischen selbst die verantwortlichen Erwachsenen als Fehler ausgemacht. “Wir wollten das Pferd wohl zu schön aufzäumen”, räumte etwa SPD-Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Bürmann ein. Und schließlich gab es da noch eine Leitlinie von Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber (CDU). Möglichst paritätisch besetzt will er das junge Gremium sehen eine Vereinnahmung aus irgendeiner politischen Richtung ist für ihn tabu. Ein anderer Grund für das wachsende Desinteresse an der Mitarbeit liegt tiefer. Dass in Ilmenau nicht die Wiege der Bürgerbeteiligung steht, monieren Vertreter der Opposition schon länger. Auch die jungen Leute haben das spitz gekriegt. Im Gespräch mit “Thüringer Allgemeine” sagen sie: “Richtig mitbestimmen dürfen wir ja sowieso nicht.” Und so fürchten die jungen Leute, dass ihre Ideen früher oder später nach der Anhörung in einer Schublade landen könnten. Ganz unberechtigt ist die Sorge nicht: Ähnlich ist es bereits jenen gegangen, die vor über drei Jahren an einer Tourismuskonzeption für die Stadt mitgearbeitet haben.
Eisern bleibt dennoch der Wille, die Sache durchzuziehen. “Wir verfolgen die Gründung des Kinder- und Jugendbeirats mit gleichbleibender Intensität”, bekräftigte diese Woche Ilmenaus erster Beigeordneter Horst Zink (Freie Wähler) auf Nachfrage unserer Zeitung. Doch selbst wenn das Gremium weiterhin nicht zustande kommt – so schlecht kommt auch die bisherige Kinder- und Jugendarbeit der Stadt aus Sicht des Oberbürgermeisters nicht weg. “Musikschule, Jugendfeuerwehr oder Sportvereine, das sind die Disziplinen, auf die wir uns zu konzentrieren haben. Da kann ich nicht erkennen, dass uns der Nachbarkreis voraus wäre”, befand Gerd-Michael Seeber . Doch neben solchen praktischen Angeboten geht es den Frauen aus Saalfeld auch ums Zuhören. “Die Jugendlichen müssen ernst genommen werden”, sagen sie. Als Hanka Giller bei der Diskussion vergangene Woche erfährt, dass Ilmenauer Schüler jüngst mit ihrer Ausstellung “coole Orte – blöde Orte” die guten und schlechten Seiten ihrer Stadt darstellten, kann sie zumindest einen Teil des sich nicht einstellenden Erfolgs erklären: “So etwas ist genau ein Projekt, auf das Sie aufbauen sollten. Das müssen Sie als Geschenk der Jugendlichen an die Stadt sehen.”
 
von Arne Martius