Gelungenes Fest der Subkultszene in Ilmenau – Thüringer Allgemeine vom 07.09.2010

Gelungenes Fest der Subkultszene in Ilmenau

 

Im Jargon von Breakdance-, Grafitti- und Hip Hop Fans gesprochen, gab es am Samstag vom frühen Morgen an bis in die Nacht hinein eine wahre Giga-Party der Ilmenauer aktuellen Subkultszene mit sieben, über das gesamte Stadtgebiet verteilte Workshops. 

 
Ilmenau. Hinter dem Begriff „Subkult“ und dem gleichnamigen gemeinnützigen Verein verbirgt sich die „Plattform für Kinder und Jugendliche in den Bereichen Tanz, Grafitti, Djing, Musik und Livestyle“. In den Workshops, einschließlich einer Abschlusspräsentation und Aftershowparty, gelang es dem Veranstalter hervorragend – Frank Jockschies trug als Vereinsvorsitzender die Verantwortung für das anspruchsvolle und vom Bund geförderte Projekt – mehr als 90 Jugendliche aus dem Ilmkreis, aber auch von weiter her, in einem ganz speziellen Freizeitbereich zusammenzuführen. In „Barack 5“ trafen sich ausschließlich Mädchen, um mit der aus Linz angereisten österreichischen Workshopleiterin Maggy Grundlagen des Breakdance zu erlernen. Dabei ging es nicht um jene halsbrecherischen Figuren und Acts, welche am frühen Abend in der Turnhalle des Goethegymnasiums zu erleben waren, sondern um einfache Bewegungsabläufe, die aber von Anfängern große Konzentration und viel Geschick verlangen. Linn Bieske aus Ilmenau
knüpfte an den Workshop und die Begegnung mit Maggy, die in der Szene einen guten Namen hat und wunderbar unterrichten kann, große Erwartungen. Nach zwei Stunden intensiver Probenarbeit kann sie gemeinsam mit den anderen acht Mädchen ein achtbares Workshopergebnis vorzeigen. Sie wollte ein Stück weiter beim „Freezen“ kommen.
 
Dieses Ziel hat sie erreicht. Freezen bedeutet, dass eine Bewegungsfigur gleichsam erstarrt und ein sogenanntes Standbild abgibt. Das sei für Fotografen genau der Moment, um abzudrücken und ein gutes Bild zu bekommen, meint Maggy und startet zu ihrer bewegungsreichen Show. Da schauen die Mädchen voll Bewunderung zu und wissen in diesem Moment genau, wie lange der Weg zur eigenen Tanzperfektion noch sein wird. Im
Tanzstudio der „Linie 1“ am Apothekerbrunnen unterrichtet Franziska Babel eine Jungen- und Mädchengruppe im Hip Hop Tanz abwechselnd mit BBoyMime aus Erfurt, der Fortgeschrittenen Breakdance Tricks beibringt. Hier kann man jene Figuren sehen, die am Nachmittag zu Abschlusspräsentation in der Turnhalle Begeisterungsstürme beim Publikum auslösen.

Auf der Turnhallenbühne ist als Hintergrund ein Grafitti zu sehen, das am Vormittag unter fachkundiger Anleitung im Jugendclub „Schatoh“ entstand. Ehe die Jurymitglieder sich mit ihren Acts vorstellten, wuselte beim Warm up in der Turnhalle Groß und Klein durcheinander. Der sechsjährige Jonathan Jäger aus Langewiesen, ein Naturtalent, versuchte mit Erfolg die von den Großen abgeschauten Figuren nachzumachen. „Habt ihr Bock!“, rief Frank Jockschies in den Saal. Und alle hatten Bock und legten im Wettkampf miteinander und gegeneinander los. Gewonnen hatten am Ende alle und damit gab es Grund genug zum Feiern am Abend und zu einer baldigen Neuauflage des Projektes.

 
von Karl-Heinz Veit