Türen sollen aufgestoßen bleiben – Freies Wort vom 28.01.2011

Türen sollen aufgestoßen bleiben

 

Die Förderung für das Jugendprojekt im Mehrgenerationenhaus geht dem Ende entgegen. Nun wird um den Fortbestand gerungen. Die dreijährige Bilanz ist in einer Ausstellung angerissen und fand große öffentliche Beachtung.

Ilmenau – Sie heißen Tracy, Norman, Marcus, Nico, Alex und Kevin oder lassen sich Stoffi, Isi oder Lisz rufen. Sie studieren an der TU, lernen am Gymnasium, der Berufsschule oder sind auf Suche nach einem Ausbildungsplatz. Und sie sind kreativ. In den Jugendprojekten des Vereins Regenbogen im Ilmenauer Mehrgenerationenhaus haben sie letzte Jahre eine Chance zur Verwirklichung erhalten. Denn einige der Mitstreiter waren zuvor als Störenfriede auf dem Wetzlarer Platz verkannt.

Der Aktionsplan „Vielfalt tut gut“, aus dem auch das Jugendprojekt des Regenbogenvereins im Mehrgenerationenhaus Ilmenau unterstützt wurde, geht zu Ende, kündigte diese Woche nun Ilmenaus Beigeordneter Horst Zink (FWG) an. In seinem Grußwort zum dreijährigen Bestehen der Jugendgruppe sagte der Beigeordnete, die Stadt sei froh gewesen über das Projekt, das die „Türen für die Jugendlichen weit aufgestoßen hatte“. Vor den versammelten Gästen, die aus Anlass des Jubiläums einer Ausstellungseröffnung mit Fotos, Berichten und Exponaten aus den drei kreativen Jahren beiwohnten, erklärte Zink aber, es gebe Hoffnung auf eine Fortsetzung. Bis Ende Februar müsse die Bewerbung eingereicht werden.

Wie wichtig die Arbeit in der Jugendgruppe in Verwaltung und Politik des Kreises angesehen wird, schilderte der ehrenamtliche Beigeordnete Georg Juchheim (CDU) in einem Grußwort, aus dem Sympathie und Bewunderung für das jugendliche Engagement, das sich vor allem in Theaterarbeit ausdrückt, nur so sprudelten. „Ich muss sagen, ich bin hocherfreut, stolz und zufrieden, dass ein solches Projekt durchgeführt wurde“, sagte Juchheim, nachdem er sich in den drei Räumen in die Ausstellung mit Rückblick auf drei Jahre Jugendarbeit vertieft hatte. Er habe das vorab so nicht gewusst, dankte er Projektleiterin Jutta Ewald für deren Unterstützung der Jugendlichen. „Weil jeder anders ist, ist unsere Kultur so vielfältig“, stellte sich Juchheim hinter die Jugendlichen, von denen einige zuvor auf dem Wetzlarer Platz viel Kritik eingefahren hatten. Solche Projekte „tun der Region gut und bringen einen weltmännischen Weitblick“, sah Juchheim hierin „eine Bereicherung für Stadt und Landkreis“. Indirekt warnte der Landratsbeigeordnete vor Ausgrenzung, Intoleranz und Verzicht auf Einbeziehung Anderswirkender, indem er an verschwundene Kulturen erinnerte: „Die sich früher mit ihrer Kultur eingegraben haben, sind untergegangen!“ Dank an die Jugendlichen und Ewald gab es auch von Ilmenaus Gleichstellungsbeauftragter Johanna Kielholz. Sie stellte ein Folgeförderprogramm für Mehrgenerationenhäuser vom Bund in Aussicht. Sie sei da sehr optimistisch für die Zukunft. Gleichzeitig kündigte sie ihr persönliches, verstärktes ehrenamtliches Engagement für die Zeit in Aussicht, wenn sie in die Ruhephase ihrer Altersteilzeit gehe, was mit großem Applaus der Anwesenden aufgenommen wurde. Zahlreiche Gäste aus Lokalpolitik, von Bildungsträgern, bis hin zu Vertretern von Polizei und anderen Behörden, aber auch Ilmenauer Besucher wohnten der Ausstellungseröffnung bei, ein Stehplatz war kaum mehr zu finden. Die Jugendlichen reichten Plätzchen und Getränke, umrahmten mit Musik oder Vorträgen.

Projektleiterin Ewald vermochte es nicht, alle Beteiligungen der hier engagierten Jugendlichen letzter drei Jahre in der Feierstunde aufzuzählen, so umfangreich war deren Mitwirken. Im offenen Treff war deshalb als Ergänzung eine Powerpointpräsentation eingerichtet, die tiefer in Details ging. Ewald gab den Dank an Kielholz, Stadt und Kreis, insbesondere Jugendamt, und die vielen Partner zurück, ohne die der Erfolg nicht geglückt wäre. „Was hier passiert, kommt nicht von ungefähr – das hat ordentlich Power“, versicherte sie und machte auf den „soziokulturellen Anstrich“ aller Initiativen aufmerksam. Damit sei eine jugendkulturelle Plattform im Hause geschaffen worden. Zwischen 12 und 40 Teilnehmer zähle allein die Theatergruppe, dazu komme die Integration ausländischer Mitbürger in Sprachprogramme, Praktika, die Zusammenarbeit mit Bildungsträgern, das Schaffen von Netzwerken wie mit der Volkshochschule. Die Ausstellung zur dreijährigen Projektarbeit ist noch bis 28. Februar geöffnet.

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