Unterstützung für lokale Akteure – Thüringer Allgemeine vom 22.04.2010

Unterstützung für lokale Akteure

 

Das kreisweite Bündnis gegen Rechts sieht sich als Netzwerk und Dachorganisation für bestehende Gruppen

 
Am Dienstag wurde in Ilmenau ein kreisweites Bündnis gegen Rechts gegründet. Über Ziele des Zusammenschlusses sprach TA mit Anja Blaschke, eine der Initiatorinnen.
 
Was war der Anlass dafür, ein Bündnis gegen Rechts auf Kreisebene zu gründen?
 
Eigentlich sollte es nur ein Bündnis für Ilmenau werden, Anlass war der geplante Thüringentag der Nationalen Jugend, der in Ilmenau stattfinden sollte. Als der abgesagt wurde, haben wir darüber gesprochen dass es sinnvoll wäre, das Bündnis auf Kreisebene zu gründen. Auch als Erweiterung oder Fortführung des Begleitausschusses des Lokalen Aktionsplanes (LAP) „Vielfalt tut gut“, den es im Ilm-Kreis noch bis Ende 2010 geben wird.
 
Nun gibt es bereits lokale Zusammenschlüsse und Gremien, die sich mit Rechtsextremismus auseinandersetzen. Entsteht da jetzt eine Parallelstruktur?
 
Nein, das wird keinenfalls auf Konkurrenz hinauslaufen. Wir wollen Bündnisse in Arnstadt oder Kirchheim keinenfalls vereinnahmen, die Akteure kennen sich in ihren Orten viel besser aus. Aber das ist zugleich ein Grund, ihnen ein kreiweites Netzwerk anzubieten: Die Bedingungen zum Beispiel in Ilmenau und Arnstadt sind sehr unterschiedlich. Aber das Anliegen ist gleich.
 
Wer ist jetzt schon in dem kreisweiten Bündnis dabei, von wem erhoffen Sie sich noch eine Mitarbeit?
 
Ausgegangen ist es von der Koordinierungsstelle für den LAP, aber es sind zum Beispiel die Stadtverwaltung Ilmenau und lokale freie Träger beteiligt. Auch Vertreter der Wirtschaft, Schulen und Kirchen sind willkommen. Im Begleitausschuss des lokalen Aktionsplan arbeiten Mitglieder aus dem gesamten Kreisgebiet, das ist eine gute Voraussetzung für ein arbeitsfähiges Bündnis. Und natürlich hoffen wir, dass außer Madleine Henfling, die zur Gründung anwesend war und zu beiden Gruppen in Kontakt steht, noch weitere Akteure aus Arnstadt oder Kirchheim mitarbeiten werden.
 
Wie wird sich die Arbeit des Bündnis weiter gestalten?
 
Wir wollen zunächst eine Erklärung erarbeiten, in der die Ziele unseres Bündnisses für den Ilm-Kreis fixiert werden. Geplant ist, diese Erklärung in der nächsten Zusammenkunft am 20. Mai zu verabschieden. Organisatorisch soll es ein zwangloser freier Zusammenschluss bleiben, eine Vereinsgründung ist nicht geplant. Inhalte sind das Wichtigste.
 
Wo kann man sich melden, wenn man bei diesem Bündnis mitmachen möchte?
 
Am besten kann man Kontakt über die Internetseite des Lokalen Aktionsbündnisses aufnehmen. Dort finden sich alle nötigen Informationen. 
 
 

Spiel, Spaß und der Ruf nach zivilem Ungehorsam – Freies Wort vom 14.06.2010

Spiel, Spaß und der Ruf nach zivilem Ungehorsam

 

Der Vielfalt-Sommer 2010 in Ilmenau bot die Suche nach Supertalenten ebenso wie politische Diskussionen

Ilmenau – Sportliche Spiele und die Suche nach Supertalenten waren am Samstag an der Ilmenauer Festhalle angesagt. Ursprünglich hatte eine Organisation des rechtsextremen Spektrums ihren „Thüringentag der Nationalen Jugend“ in Ilmenau geplant. Bürger, Verbände und die Stadt Ilmenau hatten daraufhin mit vielen Aktionen mobil gemacht gegen diese Veranstaltung, die vor einigen Wochen (per E-Mail) von den Leuten der rechten Szene wieder abgesagt wurde.
 
Mit der kurzfristigen Absage war der Stadtpark frei für eine ganz andere Veranstaltung: Den Vielfalt-Sommer 2010, ein buntes Fest im Zeichen von Toleranz und Demokratie. Bei Kinderschminken, Erwerb des Sportabzeichens und einer Mini-Fußball-WM hatte das meist junge Publikum seinen Spaß. Hunderte Besucher waren gekommen, organisiert wurde der Vielfalt-Sommer vom Ilmenauer Verein für Sport und erlebnisorientierte integrative Sozialarbeit (VSS). Von einer gelungenen Veranstaltung für Jung und Alt sprach VSS-Chefin Ute Oberhoffner. Eine Plakataktion, bei der sich Ilmenauer mit ausländischen Mitbürgern ablichten ließen, wurde auch vorgestellt. „Wir haben gezeigt, dass Ilmenau weltoffen und tolerant ist“, sagte Ute Oberhoffner.

Da schien es allerdings verwunderlich, dass der Vortrag von Oberkirchenrat Peter Zimmermann in der Festhalle nebenan weniger gut besucht war. Während sich im Park Hunderte sich Kinder und Erwachsene tummelten, referierte Zimmermann vor einem Dutzend Zuhörern über zivilen Ungehorsam. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hatte den Vortrag zusammen mit der Stadt Ilmenau unter Leitung von Stadtrat Klaus Leuner (Die Linke) organisiert.

„Als Pfarrer bin ich es gewöhnt, vor einer überschaubaren Zahl von Gemeindemitgliedern zu sprechen“, witzelte Zimmermann. Kernpunkt seines Vortrags waren die in Deutschland formal und justiziell geduldeten, weil angemeldeten Veranstaltungen von Anhängern der rechten Szene – und die Protest-Möglichkeiten der Bürger im Rahmen der Demokratie. Das Recht zum Pluralismus werde von den Rechten missbraucht, sagte Zimmermann: „Unsere Justiz unternimmt nicht viel gegen deren angemeldete Veranstaltungen, weil ihr oft die Hände gebunden sind.“ Daher sei es aber das gute Recht demokratisch eingestellter Bürger, den Weg des „zivilen Ungehorsams“ zu gehen und gewaltfrei gegen die rechte Szene zu protestieren. Die demokratische Rechtsordnung des Staates reagiere nur schwerfällig auf neue Entwicklungen im Extremismus. „Allerdings ist die Demokratie ein grundsätzlich unabgeschlossener Prozess“, sagte Zimmermann.

Am Ende der anschließenden Diskussion meinte Horst Zink, Beigeordneter des Oberbürgermeisters (FWG), dass man leider „Eulen nach Athen getragen habe: „Was Herr Zimmermann gesagt hat, war den Anwesenden sicher schon klar.“ Er meinte damit, dass wohl die Zuhörer fehlten, bei denen sich ein Lerneffekt hätte einstellen können…

Von Uwe Appelfeller


Mitmach-Zirkus und Theater – Thüringer Allgemeine vom 19.08.2010

Mitmach-Zirkus und Theater

 
Im Rahmen des Bundesprogramms „Vielfalt tut gut“ findet am kommenden Samstag, dem 21. August, von 14 bis 21 Uhr ein Fest im Schlossgarten Arnstadt statt, bei dem die verschiedenen Projektträger ihre Arbeit präsentieren.
Arnstadt. Unter der Schirmherrschaft des Landrates wird wieder ein buntes Programm geboten. So z.B. der Offene Kinder- und Jugendtreff Marienstift, der in diesem Jahr einen musikalischen Kurzfilm mit dem Titel „Rhythm of International“ produzieren wird. Der Regenbogen e. V. Ilmenau wird ab 15 Uhr mit seiner Theaterperformance „Theater bewegt“ die unterschiedlichen Fähigkeiten Jugendlicher aus verschiedenen Jugendszenen darstellen. Aber auch andere Träger und Vereine werden während des Festes ihre Arbeit bzw. Projekte präsentieren.

Neben dem Mitmach-Zirkus „Drunter & Drüber“, Pferdereiten, Bastelaktionen sowie dem Wasserspielmobil wird in diesem Jahr das Angebot zusätzlich durch eine Kinder-Mitmach-Holzwerkstatt bereichert. An den Info-Ständen können sich die Besucher nicht nur über die Projekte, sondern auch über die Arbeit des Aktionsbündnisses Ilmkreis für Demokratie und Vielfalt, gegen Rechtsextremismus und Gewalt informieren. Außerdem gibt es eine Street-Soccer-Anlage, präsentieren sich verschiedene Musikprojekte, das Liedermaching Duo „Kalter Kaffee“ und junge Breakdancer aus dem Ilmkreis, die ihr Können zeigen, um die Werbetrommel für das im September stattfindende Subkult-Projekt zu rühren.