Theaterprojekt junger Leute im Mehrgenerationenhaus Ilmenau – Allgemeiner Anzeiger 21. Mai 2008

 

Isabel, Nancy, Jane21.5_2.jpg, Anja, Shirley, Martin, Marcel und Paul in einem Gruppenbild, wie sich gern selbst darstellen und sehen möchten. (Fotos: Mansfeld)

 

Die Mobbing-Szene auf dem Schulhof wirkt echt aggressiv. Die Theater-Laien Isabel, Nancy, Jane, Anja, Shirley, Martin und Marcel ersetzen fehlende Schauspielausbildung durch genaue Szene-Kenntnis.

Ilmenau (AA/dm). Die Termine stehen schon fest: 20. August in Ilmenau, 30. August in Arnstadt. Zur Aufführungen kommen selbst geschriebene Spielszenen, ein „Jahrmarkt der Subkultur-Eitelkeiten“, eine „Modenschauszenetypischer Alltagskleidung“ und drei „Steckbriefe zum Lebensstil“. Mitwirkende, Auftretende, Kulissenbauer und Skript-Schreiber, Kostümbildner und Regisseure sind zwei Hände voll junger Leute „aus der Szene“. Seit einigenWochen basteln sie imMehrgenerationenhaus an ihrem Theaterprojekt.
Kein leichtes Unterfangen für MGH-Chefin Jutta Ewald, stammen doch viele aus einer der weltweit 80 existierenden Jugendkulturen von Gothics über Punks und Hiphopper bis zu Skinheads mit mehreren hundert Subkulturen, die sich alle durch eine ganz eigene Äußerlichkeit in der Frisur bis zur Kleidung auszeichnen. Einige Mitwirkende von der Stamm-„Besetzung“ hat Jutta Ewald direkt am Wetzlarer Platz „aufgegriffen“.
Andere sind Ober- und Regelschüler, Student oder Lackierer, die sich für dieses oder andere Projekte interessieren. Jutta Ewald hat dabei festgestellt: „Sie verstecken sich meist hinter Äußerlichkeiten. Dahinter befinden sich hoch intelligente, sehr kreative
Menschen, bei denen man den Eindruck hat, sie haben nur darauf gewartet, angesprochen zu werden, damit endlichmal jemand das Originelle aus ihnen
herausholt!“

 Die Proben für die Spielszenen „Mobbing auf dem Schulhof“, „Gewalt in der Familie“, Konflikte zwischen den Subkulturen“ sind aus dem Leben gegriffenen und werden auch so geprobt. Sie sind bekannten Geschehnissen der jungen Leute nachempfunden. Die Mitwirkenden können so ihre persönlichen Erfahrungen einbringen. „Toleranz bestehtmanchmal auch nur darin“, so Jutta Ewald, „dass sich die jungen Leute  nebeneinander aushalten.“ Inzwischen hat Jutta Ewald erste kleinere und größere Erfolgserlebnisse.
Zu den kleineren zählt gewiss die Aufnahme des Lokalen Aktionsplans des Ilm-Kreises
in das Bundesprogramm„Vielfalt tut gut“, das für „Vielfalt, Toleranz und Demokratie, gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“ steht. Zu den größeren Erfolgserlebnissen zählt Jutta Ewalds Erfahrung, „dass die jungen Leute inzwischen regelmäßig kommen, bisher zuverlässig sind, auch wenn sie nicht gleich
eine Sprechrolle erhalten.“

Kontakt: 0175/3441599 oder email hidden; JavaScript is required