Begehrte Rollen – Thüringer Allgemeine vom 09.05.2008

Begehrte Rollen – Der Offene Kinder- und Jugendtreff Marienstift leitet eine Hörspielproduktion in Arnstadt
 
 
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MUTIG: Michelle Günther, 9 Jahre, möchte die Rolle der Miriam (so nennt sich Margot Webb in der Erzählung). Ohne Scheu gab sie eine Leseprobe vor vielen Zuhörern.
TA-Foto: C: VOGEL
 
 
 
 
 
Das Hörspielprojekt „Schatten überm Christopherus“, nach einem Buch von Margot Webb, startete am Dienstag in der Regelschule I in Arnstadt. Zum ersten Vorstellungstermin zeigten 34 Kinder aus Arnstädter Grund- und Regelschulen großes Interesse an einer Sprechrolle und für die Mitarbeit an der Vertonung der Produktion.
Von Christoph VOGEL ARNSTADT.
 
Für einige Kinder und Jugendliche könnte es der Beginn eines nachhaltigen und einmaligen Erlebnisses sein. Die am vergangenen Dienstag im Hörsaal der RegelschuleI versammelten Mädchen und Jungen haben die Möglichkeit, an einer Hörspielproduktion mit dem Titel „Schatten überm Christopherus“ teilzunehmen. Geleitet wird dieses Projekt vom Offenen Kinderund Jugendtreff Marienstift, unterstützt wird es mit Fördermitteln des Bundesprogrammes „Vielfalt tut gut“. Zum ersten Vorstellungstermin informierten Projektleiterin Cornelia Steger, Initiatorin Iris Wachsmuth und Pfarrer Jürgen Friedrich über Inhalte und Ziele der Produktion. Als geschichtlicher Hintergrund dieses Projektes dient ein Lebensabschnitt von Margot Webb, die in der Zeit des Nationalsozialismus für einige Zeit in Arnstadt lebte. Was das damals 10- jährige Mädchen vom Herbst 1938 bis zu seiner Ausreise nach Amerika im Frühjahr 1939 hier erlebte, ist der Stoff für eine spannende Geschichte. Margot Webb verarbeitete ihre Erlebnisse und Eindrücke aus dieser Zeit in dem 1992 erschienenen Buch „Shadows at Noon“. Die autorisierte Übersetzung von Annika Tittelbach-Helmrich erschien im Jahr 1998. Dieses für jüngere und ältere Leser gleichermaßen interessante Buch dient als Vorlage der Hörspielproduktion. Ziel des Projektes ist es, auch die dunklen Zeiten der Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Als „Spurensuche in Arnstadt“ bezeichnete Kirchenrat Jürgen Friedrich, Direktor des Marienstiftes, die bevorstehende Projektarbeit. So sind beispielsweise das Haus, in dem Margot Webbs Mutter lebte (Haus zum Christopherus auf dem Ried), oder die Schule, die Margot Webb besuchte (heutige Willibald-Alexis-Schule), bis heute erhalten. Um allen Arnstädter Schülern die gleichen Chancen einzuräumen, wird es noch einen zweiten Vorstellungstermin in einer Schule geben. Anschließend soll nahtlos mit den Proben begonnen werden. Diese sollen vorwiegend freitags und samstags stattfinden. Bis zur endgültigen Entscheidung, wer die Sprechrollen besetzt, haben alle Beteiligten die Möglichkeit, ihr Talent unter Beweis zu stellen. Zum Abschluss des Projektes im Oktober hat Margot Webb ihren Besuch in Arnstadt angekündigt. Die heute 80-jährig in Los Angeles lebende Autorin wird dann in allen beteiligten den Schulen sprechen. Wer am Hörspiel mitwirken möchte, kann sich noch bis Ende Mai bei Cornelia Steger unter  03628/58 37 48 anmelden. Gesucht werden Kinder und junge Leute im Alter von 8 bis 25 Jahren, die gern im Hörspiel eine Sprechrolle übernehmen möchten. Für die Tontechnik werden weitere 15 Jugendliche benötigt.