„Sind wir mehr?“ – Neue Analyse zur demokratischen Kultur im Ilm-Kreis veröffentlicht

Wie steht es um die demokratische Kultur im Ilm-Kreis? Welche antidemokratischen und rechtsextremen Strukturen haben sich in den vergangenen Jahren entwickelt? Vor welchen Herausforderungen stehen Menschen und Organisationen, die sich für Demokratie und gesellschaftliche Vielfalt engagieren? Und was können Zivilgesellschaft, Verwaltung und Kommunalpolitik konkret tun?

Mit der neuen Situations- und Ressourcenanalyse „Sind wir mehr? – Analyse der demokratischen Kultur und ihrer Gefährdungen im Ilm-Kreis“ liegt nun eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung zu diesen Fragen vor. Erstellt wurde sie vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) Jena im Auftrag der Koordinierungs- und Fachstelle der Lokalen Partnerschaft für Demokratie im Ilm-Kreis.

Die Analyse ist eine wichtige fachliche Grundlage für die weitere Arbeit der Partnerschaft für Demokratie. Sie hilft dabei, Entwicklungen und konkrete Bedarfe im Landkreis zu erkennen, bestehende demokratische Strukturen gezielter zu unterstützen und gemeinsam mit Zivilgesellschaft, Verwaltung und Kommunalpolitik geeignete Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Rechtsextreme Strukturen verfestigen sich

Die Untersuchung macht deutlich, dass sich rechtsextreme Strukturen im Ilm-Kreis in den vergangenen fünf Jahren weiter verfestigt haben und rechtsextreme Positionen zunehmend bis weit in die Gesellschaft hinein normalisiert werden.

Die zunehmende politische und gesellschaftliche Präsenz rechtsextremer und antidemokratischer Kräfte trägt nach Einschätzung der Autorinnen zu dieser Entwicklung bei. Die Analyse beschreibt eine neue rechtsextreme Alltagskultur, die sich unter anderem durch die stärkere Sichtbarkeit entsprechender Einstellungen, Symbole, Akteur*innen und Aktivitäten im öffentlichen Raum zeigt.

Gleichzeitig berichten demokratisch Engagierte und Angehörige marginalisierter Gruppen von zunehmenden Angriffen, Einschüchterungen und Diskriminierungen. Neuere rechtsextreme Erscheinungsformen und Netzwerke, die teilweise während der Corona-Pandemie entstanden oder sichtbarer geworden sind, spielen dabei ebenfalls eine Rolle.

Eine engagierte Zivilgesellschaft unter Druck

Trotz dieser Entwicklungen verfügt der Ilm-Kreis über eine stabile und engagierte demokratische Zivilgesellschaft. Besonders in Ilmenau und Arnstadt können Initiativen, Vereine und Bündnisse viele Menschen mobilisieren und wichtige Impulse für ein demokratisches und vielfältiges Zusammenleben setzen.

Gleichzeitig stehen diese Strukturen erheblich unter Druck. Viele demokratische Akteur*innen erleben Ermüdung, knappe personelle und finanzielle Ressourcen, politischen Gegenwind sowie eine aus ihrer Sicht zu geringe Unterstützung und Anerkennung durch kommunale Institutionen.

Finanzielle Kürzungen und unsichere Förderbedingungen erschweren langfristiges Engagement. Hinzu kommen Angriffe und Diffamierungen gegen Organisationen und Einzelpersonen, die sich öffentlich für Demokratie, Vielfalt und die Rechte marginalisierter Gruppen einsetzen.

Die Analyse zeigt deshalb deutlich: Demokratische Zivilgesellschaft ist vorhanden – sie benötigt aber verlässliche Rahmenbedingungen, Schutz, Anerkennung und langfristige Unterstützung.

Zentrale Handlungsempfehlungen

Aus ihren Ergebnissen leiten die Autorinnen konkrete Empfehlungen für die weitere Arbeit im Ilm-Kreis ab. Dazu gehören insbesondere:

  • die Entwicklung eines gemeinsamen Handlungskonzepts aller kommunalen Akteur*innen gegen Rechtsextremismus und für eine demokratische Kultur,
  • ein verbesserter Schutz zivilgesellschaftlich Engagierter und Angehöriger marginalisierter Gruppen,
  • der Ausbau verlässlicher Melde- und Monitoringstrukturen für rechtsextreme Aktivitäten und diskriminierende Vorfälle,
  • eine langfristige finanzielle, praktische und symbolische Unterstützung demokratischer Initiativen und Organisationen,
  • die Sicherung und Weiterentwicklung demokratiefördernder Projekte,
  • eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft, Kommunalpolitik, Verwaltung und Sicherheitsbehörden sowie
  • ein regelmäßiger und verbindlicher Austausch zwischen den beteiligten Akteur*innen.

Die Situations- und Ressourcenanalyse ist damit keine Untersuchung für die Schublade. Sie soll als gemeinsame Diskussions- und Arbeitsgrundlage dienen, aus der konkrete Maßnahmen zur Stärkung der demokratischen Kultur im Ilm-Kreis entwickelt werden können.

Grundlage für die weitere Arbeit

Die Ergebnisse zeigen sowohl die bestehenden Gefährdungen als auch die vorhandenen demokratischen Ressourcen im Landkreis. Sie machen deutlich, an welchen Stellen Unterstützung notwendig ist und welche Strukturen weiter gestärkt werden müssen.

Für die Lokale Partnerschaft für Demokratie im Ilm-Kreis bildet die Analyse eine zentrale Grundlage für die zukünftige Ausrichtung ihrer Arbeit. Gemeinsam mit engagierten Menschen, Initiativen, Vereinen, Kommunen und weiteren Partner*innen sollen die Ergebnisse diskutiert und in konkrete Handlungsschritte übertragen werden.

Denn eine lebendige demokratische Kultur entsteht nicht von selbst. Sie braucht Menschen, die sich engagieren, Verantwortung übernehmen und vor Ort Räume für Beteiligung, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander schaffen.

Weitere Informationen und Downloads

    Situations- und Ressourcenanalyse „Sind wir mehr?“ als PDF herunterladen

    Pressemitteilung des IDZ Jena vom 16. September 2026

    Übersichtsseite zu den Situations- und Ressourcenanalysen des IDZ Jena

    Die Analyse wurde von Rosa Sondermann und Maja Herms unter Mitarbeit von Cornelius Helmert erstellt und vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) Jena herausgegeben.

    „Jeder soll lieben, wen er will. Jeder soll so sein, wie er will.“ | Internationaler Tag gegen Queerfeindlichkeit in Ilmenau

    Jedes Jahr am 17. Mai findet der IDAHOBIT* statt – der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit. Mit Demonstrationen, Gesprächen, Filmabenden, Partys und mehr macht die Community auf Queerfeindlichkeit und ihre Auswirkungen aufmerksam.

     

    Ellen von Radio F.R.E.I. aus Erfurt war am 17. Mai beim Aktionstag in Ilmenau und hat Eindrücke rund um die Infostände gesammelt.

    Das Datum des Aktionstags wurde zur Erinnerung an den 17. Mai 1990 gewählt. Der Tag, an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschlossen hat, Homosexualität zu entpathologisieren, also nicht mehr als Krankheit zu definieren.

    Die Aktionen am 17. Mai 2022 in Ilmenau wurden organisiert von der Jugend- und Schulsozialarbeit Ilmenau und der TU Ilmenau. Das Jugendamt sowie das Gesundheitsamt des Kreises oder auch die Beauftragte für Ausländer und Behinderte waren gleichfalls zum Aktionstag in der Ilmenau Innenstadt im Gespräch mit Passant*innen. Arbeit und Leben Thüringen als Träger der externen Koordinierungs- und Fachstelle der Lokalen Partnerschaft für Demokratie Ilm-Kreis war auch mit unterschiedlichen Beteiligungsformaten vor Ort und hat z.B. ein Stimmungsbild aus der Ilmenauer Fußgänger*innenzone eingefangen.

    Ein Dankeschön an dieser Stelle an die Kolleginnen der Partnerschaften für Demokratie in Sömmerda und Erfurt für die kreative Unterstützung. Ein weitere Auflage im kommenden Jahr zu organisieren, wurde bereits von allen Beteiligten bejaht.

    Mehr zum Thema und Beratungsmöglichkeiten findet ihr z.B. HIER